Regel-Assistent verwenden
Der Regel-Assistent ist eine vereinfachte Möglichkeit, ein Relais zu programmieren. Er eignet sich für typische Schaltaufgaben, bei denen keine frei gezeichnete Programmlogik benötigt wird.
Statt Funktionsblöcke selbst zu platzieren und zu verbinden, stellst du eine oder mehrere Bedingungen zusammen. Der Regel-Assistent erzeugt daraus automatisch das ausführbare Programm für das Relais.
Typische Anwendungen sind beispielsweise:
- ein Relais zu bestimmten Wochentagen und Uhrzeiten schalten,
- nach Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang schalten,
- Wetterwerte wie Temperatur, Niederschlag oder Wind prüfen,
- mehrere Bedingungen mit UND oder ODER verknüpfen,
- eine Bedingung mit NICHT umkehren.
Für Relaisausgänge
Der Regel-Assistent steht bei Geräten mit Relaisausgang zur Verfügung. Für umfangreiche oder frei aufgebaute Programme steht weiterhin der vollständige Programm-Editor zur Verfügung.
Regel-Assistent öffnen
Öffne die Seite Relais Ausgang. Beim gewünschten Relais stehen neben der manuellen beziehungsweise automatischen Relaissteuerung unter anderem diese Schaltflächen zur Verfügung:
- Regel – öffnet den Regel-Assistenten,
- Program Editor – öffnet den vollständigen grafischen Programm-Editor.
Der Regel-Assistent wird in einem großen Dialog geöffnet. In der Überschrift wird der Name des Relais beziehungsweise dessen Alias angezeigt.
Ist noch keine Bedingung vorhanden, beginnt die Regel mit:
Wenn
Noch keine Bedingung vorhanden.
[Bedingung hinzufügen]
Über Bedingung hinzufügen öffnet sich eine durchsuchbare Auswahl der verfügbaren Regeltypen.
Grundprinzip einer Regel
Eine Regel beschreibt, wann das Relais aktiv sein soll.
Wird nur eine Bedingung eingefügt, bestimmt diese direkt den Relaiszustand. Werden mehrere Bedingungen direkt untereinander hinzugefügt, müssen standardmäßig alle Bedingungen erfüllt sein.
Beispiel:
Wenn
Temperatur morgen einmalig > 20 °C
Zeitschaltuhr Montag bis Freitag 08:00–17:00
Das entspricht einer UND-Verknüpfung:
Temperaturbedingung ──┐
├── UND ──> Relais
Zeitschaltuhr ─────────┘
Du musst den dafür notwendigen UND-Baustein nicht selbst einfügen oder verdrahten. Der Regel-Assistent erstellt die benötigte Programmlogik automatisch.
Bedingungen auswählen
Über Bedingung hinzufügen können derzeit folgende Elemente gewählt werden:
| Element | Verwendung |
|---|---|
| Wetterbedingung | Wetterwert für einen Zeitraum prüfen |
| Zeitschaltuhr | Nach Wochentagen und Uhrzeit schalten |
| Astrouhr | Nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang schalten |
| UND | Mehrere Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein |
| ODER | Mindestens eine enthaltene Bedingung muss erfüllt sein |
| NICHT | Ergebnis einer Bedingung umkehren |
Im Auswahlfeld kann nach einem Element gesucht werden. Dadurch muss die Liste nicht vollständig durchsucht werden.
Wetterbedingung
Mit einer Wetterbedingung wird ein Wetterwert ausgewählt und anschließend geprüft.
Die Einstellungen werden bewusst untereinander dargestellt. Je nach Auswahl stehen unter anderem folgende Felder zur Verfügung:
- Wetterwert – beispielsweise Temperatur, Niederschlag, Regenwahrscheinlichkeit, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit oder Sonneneinstrahlung,
- Zeitraum – beispielsweise jetzt, heute, morgen oder mehrere Tage,
- Tagesbereich – am Tag, in der Nacht oder in der Zeit,
- Auswertung – beispielsweise im Durchschnitt, einmalig oder in Summe,
- Vergleich – beispielsweise größer, kleiner, gleich oder zwischen,
- Wert – Grenzwert der Prüfung.
Tagesbereich
Der Tagesbereich ist nicht mit einem festen Zeitraum von 00:00 bis 24:00 Uhr gleichzusetzen.
- am Tag bedeutet den Zeitraum zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang,
- in der Nacht bezeichnet den Nachtzeitraum,
- in der Zeit verwendet eine selbst festgelegte Uhrzeit von/bis.
Bei jetzt wird der aktuelle Wetterwert betrachtet. Ein zusätzlicher Tagesbereich ist dafür nicht erforderlich.
Beispiel: Temperatur morgen prüfen
Für die Regel
Temperatur morgen am Tag einmalig größer als 20 °C
können die Felder beispielsweise so eingestellt werden:
Wetterwert Temperatur
Zeitraum morgen
Tagesbereich am Tag
Auswertung einmalig
Vergleich größer
Wert 20 °C
Im Hintergrund erstellt der Regel-Assistent daraus die notwendigen Funktionsblöcke für Wetterdaten und Prüfen und verbindet sie miteinander.
Zeitschaltuhr
Die Zeitschaltuhr eignet sich für regelmäßig wiederkehrende Schaltzeiten.
Du wählst:
- einen oder mehrere Wochentage,
- die Uhrzeit Von,
- die Uhrzeit Bis.
Beispiel:
Montag bis Freitag
08:00 bis 17:00 Uhr
Für eine reine zeitabhängige Schaltung ist kein weiterer Funktionsblock erforderlich. Der Regel-Assistent verbindet die Zeitschaltuhr automatisch mit dem Relais.
Astrouhr
Die Astrouhr schaltet abhängig von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Für beide Zeitpunkte kann ein Offset in Minuten angegeben werden.
- ein negativer Wert verschiebt den Zeitpunkt nach vorne,
- ein positiver Wert verschiebt den Zeitpunkt nach hinten,
0 minverwendet den berechneten Zeitpunkt ohne Verschiebung.
Beispiel:
Sonnenaufgang 0 min
Sonnenuntergang +15 min
Damit kann eine Schaltung automatisch der jahreszeitlich veränderten Tageslänge folgen.
ODER verwenden
Mehrere Bedingungen, die direkt in einer Regel eingefügt werden, werden als UND behandelt. Soll dagegen eine von mehreren Bedingungen ausreichen, füge zuerst eine ODER-Gruppe ein.
Beispiel:
Wenn
ODER
├─ Zeitschaltuhr
└─ Astrouhr
Das Relais wird aktiv, sobald mindestens eine der beiden Bedingungen erfüllt ist.
Weitere Bedingungen können innerhalb der ODER-Gruppe hinzugefügt werden. Auch verschachtelte Gruppen sind möglich.
UND verwenden
Auf der obersten Ebene ist UND bereits das Standardverhalten. Ein eigener UND-Block ist vor allem dann sinnvoll, wenn Bedingungen innerhalb einer ODER- oder NICHT-Struktur gruppiert werden sollen.
Beispiel:
ODER
├─ Astrouhr
└─ UND
├─ Temperatur > 20 °C
└─ Zeitschaltuhr
Damit kann der Regel-Assistent auch etwas umfangreichere, aber weiterhin übersichtliche Schaltregeln abbilden.
NICHT verwenden
NICHT kehrt das Ergebnis genau einer enthaltenen Bedingung um.
Ein typisches Beispiel ist die Astrouhr. Liefert die Astrouhr den Tageszustand, kann daraus mit NICHT der entgegengesetzte Zustand gebildet werden:
NICHT
└─ Astrouhr
Intern entsteht daraus eine Verbindung über den Funktionsblock Invertierer. Der Anwender muss diesen Block nicht selbst einfügen.
Automatische Ausgabevariablen
Der Regel-Assistent legt für die verwendeten Bedingungen automatisch Ausgabevariablen an. Dadurch können die Zwischenergebnisse der Regel auf der Relaisseite angezeigt werden.
So lässt sich beispielsweise erkennen, ob eine einzelne Wetterbedingung, Zeitschaltuhr oder Astrouhr aktuell erfüllt ist – auch wenn das Relais wegen einer zusätzlichen UND- oder ODER-Verknüpfung noch einen anderen Zustand hat.
Beispiel:
Temperatur · morgen · am Tag · einmalig · > 20 °C True
Zeitschaltuhr · Mo, Di, Mi, Do, Fr · 08:00–17:00 False
Astrouhr True
Bei einer NICHT-Verknüpfung kann zusätzlich der invertierte Zustand ausgegeben werden. Die Ausgabevariablen werden automatisch erzeugt und müssen im Regel-Assistenten nicht eingerichtet werden.
Fehlersuche
Die automatisch angezeigten Zwischenergebnisse sind besonders hilfreich, wenn mehrere Bedingungen miteinander verknüpft sind. So kannst du direkt erkennen, welche Bedingung aktuell erfüllt ist und welche nicht.
Regel übertragen
Am unteren Rand des Dialogs stehen zwei Schaltflächen zur Verfügung:
- Beenden schließt den Regel-Assistenten,
- Übertragen erstellt das Programm aus der Regel und überträgt es auf das Wetterrelais.
Nach erfolgreicher Übertragung wird die neue Schaltregel vom Gerät ausgeführt.
Änderungen erst mit Übertragen aktiv
Änderungen im Regel-Assistenten wirken sich erst auf das Relais aus, nachdem die Regel mit Übertragen auf das Gerät gespeichert wurde.
Regel im Program Editor ansehen
Der Regel-Assistent erzeugt kein separates Laufzeitformat. Im Hintergrund entsteht dasselbe Programm, das auch der vollständige Program Editor verwendet.
Eine mit dem Regel-Assistenten erstellte Schaltung kann deshalb anschließend im Program Editor geöffnet und dort als Funktionsblockprogramm betrachtet werden.
Dabei werden beispielsweise automatisch erzeugte Wetterprüfungen, UND-Verknüpfungen, Invertierer und Ausgabevariablen sichtbar.
Wechsel zwischen Regel-Assistent und Program Editor
Der Regel-Assistent kann vorhandene Programme wieder einlesen, solange deren Aufbau eindeutig mit den unterstützten Regeln dargestellt werden kann.
Wird ein Programm im vollständigen Program Editor so erweitert, dass zusätzliche oder komplexere Funktionsblöcke verwendet werden, kann es möglicherweise nicht mehr im Regel-Assistenten dargestellt werden.
In diesem Fall wird die vereinfachte Bearbeitung gesperrt. Das vorhandene Programm bleibt dabei unverändert und kann weiterhin im Program Editor geöffnet und bearbeitet werden.
Komplexe Programme
Verwende den Program Editor, wenn du eine frei aufgebaute Logik, zusätzliche Datenverarbeitung, eigene Funktionsblöcke oder andere Funktionen benötigst, die der Regel-Assistent nicht anbietet.
Wann sollte ich welchen Editor verwenden?
| Aufgabe | Empfehlung |
|---|---|
| Relais nur zu bestimmten Zeiten schalten | Regel-Assistent |
| Relais nach Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang schalten | Regel-Assistent |
| Wetterwert mit einem Grenzwert prüfen | Regel-Assistent |
| Einige Bedingungen mit UND, ODER oder NICHT kombinieren | Regel-Assistent |
| Umfangreiche Datenverarbeitung aufbauen | Program Editor |
| Zusätzliche Ein- und Ausgänge verwenden | Program Editor |
| Frei verdrahtete oder individuelle Logik erstellen | Program Editor |
Der Regel-Assistent ist damit die schnelle Wahl für typische Schaltaufgaben. Der Program Editor bleibt die flexible Lösung für komplexere Anwendungen.